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Einladung zum DialogMit Freiwilligen in die Zukunft Zur Zusammenarbeit von Institutionen und Ehrenamt Erfahrungen aus der Praxis Vortragsskript Doris Appel – 21.11.07) Sehr geehrte Damen und Herren, In Frankfurt am Main habe ich 1992 das BüroAktiv – Seniorenbüro und Freiwilligenagentur - im Institut für Sozialarbeit e.V. aufgebaut und über zehn Jahre geleitet. Heute führe ich Fortbildungen für Haupt- und Ehrenamtliche in der Freiwilligenarbeit durch, halte Vorträge zum Thema Bürgerschaftliches Engagement und arbeite ehrenamtlich in der Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros (BaS) mit. Und nun zu meinem Thema: Für einen gelungenen Einsatz von Freiwilligen ist es wichtig, deren unterschiedliche Beweggründe für ihr Engagement in den Blick zu nehmen. Als Motive für ihr Engagement nennen Freiwillige aller Altersgruppen neben altruistischen auch deutlich selbstbezogene Gründe, so dass ein Mix aus karitativen und eigennützigen Motivationen zu erkennen ist. Eigensinn und Gemeinsinn schließen einander nicht aus. Sätze wie „Ich will etwas für andere tun, denen es nicht so gut geht“ oder „Ich möchte an gesellschaftlichen Problemlösungen mitarbeiten“ stehen gleichbedeutend neben den Aussagen „Mit der ehrenamtlichen Tätigkeit will ich mich selbst verwirklichen“, „etwas Neues lernen“, „mich außerhalb meines Berufs qualifizieren“ und „mein Leben bereichern“. Bei älteren Engagierten spielen das Gebrauchtwerden, die Strukturierung des Alltags, die Weitergabe von Erfahrungen und Kenntnissen sowie der Kontakt mit anderen Menschen eine besondere Rolle. Zuweilen trägt das ehrenamtliche Engagement auch dazu bei, Lebenskrisen, z.B. den Verlust des Partners / der Partnerin oder die unfreiwillige Aufgabe des Berufs zu bewältigen. Grundsätzlich gilt für alle die Devise: Mit dem freiwilligen Engagement etwas für sich und andere zu tun. Im Unterschied zu Jüngeren suchen viele Ältere längerfristig und regelmäßig eine gewisse Einbindung innerhalb einer Institution und damit die Zugehörigkeit zu einer festen Gemeinschaft. Der Wunsch nach Beheimatung innerhalb einer Gruppe, von einem Kollegen kürzlich als „Gemeinschaftssehnsucht“ bezeichnet, kommt Einrichtungen zugute, die auf längere und verlässliche Bindungen von Ehrenamtlichen angewiesen sind, z.B. in der Alten- und Behindertenarbeit. Für gemeinnützige Institutionen resultieren aus den Motiven besondere Herausforderungen. Vielen erscheint es wichtig, nicht nur ihren eigenen Bedarf, ihre eigene Klientel oder ihre Kunden im Blick haben, sondern sie sind darauf bedacht, die ehrenamtlichen Tätigkeiten flexibel mit den Vorstellungen und Wünschen der Engagementwilligen in Einklang zu bringen. Zu bewerkstelligen ist dies damit, dass Zugangsschwellen abgebaut, hausinterne Strukturen verändert und neue Rahmenbedingungen für die Integration der Engagierten geschaffen werden. Gute Einsatzbedingungen für Ehrenamtliche zählen heute viele gemeinnützige Einrichtungen mit zu den Qualitätsmerkmalen ihrer Arbeit. Diese Rahmenbedingungen für einen gut strukturierten Einsatz von Freiwilligen möchte ich Ihnen aufgelistet gern einmal vorstellen. Dazu gehören: - Haushaltstitel für ehrenamtliche Arbeit - Versicherungsschutz (Unfall- und - Auslagenerstattung - Vereinbarung von Zeitabsprachen für die Einsätze - Beschreibung und Umgrenzung der ehrenamtlichen Arbeit - Probezeiten / „Schnupperphasen“ - Gründliche Einführung in die Tätigkeit mit Vorstellung der MitarbeiterInnen, der Ziele, Inhalte und Arbeitsweise der Einrichtung (empfehlenswert: Checkliste für Einführungsgespräch) - Feste AnsprechpartnerInnen - Zur Verfügungstellung von Arbeitsmaterialien - Kontinuierliche Begleitung mit Erfahrungsaustausch - Möglichkeiten der Mitsprache (z.B. gemeinsame Teamsitzungen) - Möglichkeiten des Wechsels einer Tätigkeit - Regelung von Datenschutz und Schweigepflicht - Ggf. schriftliche Vereinbarungen - Angebot von Fortbildungen - Bereitstellung von Anerkennungsformen - Angebot von Nachweisen (Würdigung für ehrenamtlich geleistete Arbeit) - Formen der Verabschiedung bei der Beendigung einer Tätigkeit (Abschiedsritual) Im Folgenden will ich auf die Themen Fortbildung, Anerkennung u. Mitsprache bzw. Mitgestaltung in der Freiwilligenarbeit eingehen. Kostenfreie oder vergünstigte Fortbildungs-Angebote innerhalb der eigenen Einrichtung oder auch bei anderen Trägern (wie beispielsweise der VHS) werden altersunabhängig von vielen Engagierten geschätzt. Fortbildung in der Freiwilligenarbeit hat inzwischen besonders in den großen Verbänden einen hohen Stellenwert, und entsprechende Schulungen für ihre Ehrenamtlichen sind dort fest etabliert. Im BüroAktiv in Frankfurt haben wir ein Trägernetzwerk für Fortbildungen in der Freiwilligenarbeit gegründet, und so werden gemeinsam Seminare u. a. zu folgenden Themen angeboten: Zeitmanagement, Gruppenleitung, Sitzungsmoderation, Haupt- und ehrenamtliche Zusammenarbeit, Konfliktlösungsstrategien, Öffentlichkeitsarbeit, Projektentwicklung, Homepage erstellen, Powerpointpräsentationen, Fundraising, Sponsoring und vieles mehr. In der Arbeit mit speziellen Zielgruppen z.B. in Alten- u. Pflegeheimen, werden vielfach entsprechende Fortbildungen für Ehrenamtliche angeboten, z.B. zu den Themen Umgang mit Hochaltrigen, mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind sowie zu Sterben, Tod und Trauer. Überall dort, wo Betreuung stattfindet, ist auch regelmäßige Supervision angebracht. In dieser häufig sehr dichten Reflexion können persönliche Betroffenheit, Überforderung, Ängste sowie Schwierigkeiten mit Nähe und Distanz im geschützten Rahmen besprochen werden. Für Hauptamtliche, die mit der Aufgabe der Fortbildung Ehrenamtlicher betraut sind, ergeben sich damit ganz neue Anforderungen in ihrer Arbeit. In vielen Bereichen ist es wichtig, den Engagierten Hintergrundwissen zu vermitteln, z.B. bei der Hausaufgabenbetreuung in Schulen bezüglich des Umgangs mit unruhigen oder aggressiven Kindern, in Familien-Patenschaften ebf. zu Erziehungsfragen oder zur finanziellen Haushaltsplanung, in der Obdachlosenarbeit zum Thema „Neue Armut“ oder in der Drogenarbeit zur Auseinandersetzung mit Abhängigkeit. Neben der reinen Wissensvermittlung geht es in den Schulungen auch um den Erwerb und die Verstärkung sozialer Kompetenzen: Dazu zählen Verständnis, Toleranz, Abgrenzung, Umgang mit Frustrationen und Rückfällen oder Vermeidung von Überforderung im Ehrenamt. Ich komme zum Thema Anerkennung , das im Freiwilligenmanagement eine zentrale Rolle spielt. Viele Institutionen machen ihren Engagierten - hin und wieder kleine Geschenke – insbesondere zu Geburtstagen, - laden sie zu Veranstaltungen oder Restaurantbesuchen ein - und führen jährliche Dankeschönfeiern mit entsprechenden Ehrungen durch. - Die Vorstellung von einzelnen ehrenamtlichen MitarbeiterInnen in der Hauszeitung oder in öffentlichen Medien wird von Engagierten oft als eine besondere Würdigung empfunden. - Sehr beliebt ist die Zur-Verfügungstellung von Räumen für private Feiern Eine Anerkennungs- oder Dankeschönkultur zu schaffen, ist sicher in jeder Einrichtung durchführbar; die unterschiedlichen Formen hängen von den Möglichkeiten der jeweiligen Institution ebenso ab wie von den Vorlieben der Engagierten. Zum Aufbau einer engagementfreundlichen Kultur gehört mehr als die Bereitstellung von Vergünstigungen. Viele Einrichtungen erkennen, dass sie mit ihren Freiwilligen partnerschaftlich kooperieren, ihnen Raum zur Entfaltung von Eigeninitiative sowie die Möglichkeit der Mitsprache und Mitgestaltung einräumen müssen. Ehrenamtliche wollen in der Regel nicht die Erfüllungsgehilfen oder Lückenbüßer in einer Einrichtung sein, sondern es ist ihnen wichtig, eigene Ideen und Vorstellungen einzubringen. Mitspracherechte für Ehrenamtliche entstehen jedoch nicht von selbst; dafür sind Strukturen zu erarbeiten und vor allem hauptamtliche MitarbeiterInnen zu schulen. Die genannten Anforderungen an die Institutionen klingen vielleicht ganz selbstverständlich, dennoch stößt die Umsetzung von engagement-fördernden Strukturen in der Praxis immer wieder auf Hürden. Obwohl erwünscht, besteht in manchen Arbeitsbereichen von gemeinnützigen Einrichtungen eine latente Abwehr gegen Ehrenamtliche. Vor Kurzem hörte ich von Hauptamtlichen eines Wohlfahrtsverbandes, dass sie sich gegen die Einladung der bei ihnen tätigen Ehrenamtlichen zum jährlichen Betriebsausflug aussprachen. Hinter einer solchen Abwehr verbirgt sich sicher nicht nur ein mangelndes Wir-Gefühl, sondern auch die zunehmende Sorge der Hauptamtlichen vor der Übermacht von Ehrenamtlichen, die möglicherweise ihre Arbeitsplätze bedrohen. Darüber müssten Verantwortliche in den Institutionen offene Gespräche mit den MitarbeiterInnen führen und dabei deutlich machen, wo Hauptamtlichkeit unverzichtbar und wo Ehrenamtlichkeit als Ergänzung und Bereicherung erwünscht ist. Aufgrund der Notwendigkeit, die Freiwilligenarbeit in den Institutionen zu organisieren und zu koordinieren, werden durchaus auch Arbeitsplätze neu geschaffen, bzw. hauptamtliche Stellen können aufgrund des erweiterten Ehrenamts-Angebots und der damit verbundenen Kundenzufriedenheit sogar sicherer werden. Ein ehrenamts-förderndes Klima in einer Einrichtung ist nicht per Knopfdruck herzustellen, sondern muss entwickelt, kontinuierlich gepflegt und überprüft werden. Anerkennung und Förderung der Freiwilligenarbeit sollte zu einer Querschnittsaufgabe der gesamten Einrichtung werden. Der viel zitierte Umgang ‚auf gleicher Augenhöhe' ist besonders da nicht sofort zu erreichen, wo Ehrenamtliche bislang als „Hilfskräfte“ ein Schatten- oder Nischendasein geführt haben. In vielen sozialen Einrichtungen wird derzeit das Thema „Haupt- und ehrenamtliche Zusammenarbeit“ überdacht und korrigiert. Ehrenamtliche Arbeit kann nicht immer mit Laienarbeit gleichgesetzt werden, da die Engagierten neben ihrer Lebenserfahrung häufig ihre beruflichen Kenntnisse und ihr spezielles Expertenwissen bzw. ihre Fähigkeiten aus persönlichen Interessen und Hobbys in die Freiwilligenarbeit einbringen. Z.B. - richtet ein EDV-Spezialist eine Datenbank für eine gemeinnützige Einrichtung ein, - eine ehemalige Lehrerin baut einen Gesprächs- oder Literaturkreis auf, - ein älterer Handwerker tischlert mit Jugendlichen in der Schule, - Menschen, die ein Instrument spielen, gestalten Musiknachmittage in Begegnungsstätten, - ehemalige PflegerInnen oder SozialarbeiterInnen bringen ihr langjähriges know-how in Besuchs- oder Hospizgruppen ein. Daneben gibt es viele Ehrenamtliche, die etwas ganz anderes als das ihnen Gewohnte in der Freiwilligenarbeit. suchen und neue Erfahrungen machen bzw. Neues lernen wollen, z.B. - der ältere Ingenieur, der im Kindergarten mit Kindern bastelt, - die Bankangestellte, die sich in der Bahnhofsmission engagiert - oder die Friseurin, die in einer Menschenrechtsorganisation mitarbeitet. Häufig sind unter dem Dach eines Trägers sehr unterschiedliche Menschen mit ganz verschiedenen Motiven, Begabungen und Vorstellungen ehrenamtlich aktiv. Der Umgang mit diesen heterogen zusammengesetzten Gruppen erfordert von Hauptamtlichen besondere Fachkompetenz und außerdem ein gehöriges Maß an Fingerspitzengefühl, um alle Engagierten zu integrieren und ihre Mitgestaltungswünsche zu berücksichtigen. Sicherlich ist es eine anspruchsvolle Managementaufgabe, die Erwartungen der Engagierten mit den entsprechenden Anforderungen der jeweiligen Einrichtung auszubalancieren. Für diese zusätzlichen Aufgaben benötigen hauptamtliche Koordinatorinnen oder Koordinatoren Unterstützung ihrer Träger, Einarbeitungszeiten und ggf. auch Schulungen. Außerdem sollten ihnen angemessene Arbeitszeitkontingente eingeräumt werden, da die Einführung, kontinuierliche Begleitung und Fortbildung Freiwilliger nicht als eine Aufgabe nebenbei erledigt werden kann. Obwohl aufgrund der unterschiedlichen Ausgangsbedingungen die haupt- und ehrenamtliche Zusammenarbeit nie ganz konfliktfrei sein kann, lassen sich zu mehr gegenseitigem Verständnis auch weiterhin neue Formen entwickeln. Zu einer konstruktiven Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen trägt es sicher bei, wenn der Austausch untereinander gewährleistet ist. Wenn Freiwillige hin und wieder zu den Teamsitzungen der Hauptamtlichen eingeladen werden und wechselnde Hauptamtliche an den Treffen der Freiwilligen teilnehmen, kann vieles abgesprochen und geklärt werden. Das Voneinander-Wissen, das Erspüren von Problemen innerhalb der Arbeit sowie der notwendige Informations- und Erfahrungsaustausch sind die besten Voraussetzungen für gegenseitiges Verständnis und partnerschaftliches Miteinander. In manchen größeren Einrichtungen lässt sich in jüngster Zeit bei der Arbeit mit Freiwilligen ein Trend erkennen, den ich für bedenklich halte. Um die Mitarbeit von Engagierten – insbesondere in Besuchs- und anderen Betreuungsgruppen – zu organisieren, werden für sie vielfach Strukturen geschaffen, die sich nach meiner Beobachtung immer mehr den Arbeitsstrukturen der Hauptberuflichen annähern. Da ist sofort beim Erstgespräch von schriftlicher Vereinbarung, Hausordnung, Dienstplan, zuweilen auch von polizeilichem Führungszeugnis und Kündigungsgründen die Rede, und ich fürchte, dass hier eher das Bild von Engagierten besteht, die kaum unterscheidbar von Hauptamtlichen in ein Korsett der Institution einzupassen sind als das Bild von Ehrenamtlichen, die mit einem gewissen Freiraum selbstbestimmte Tätigkeiten ausüben, ohne dabei unter Vertrag zu stehen. Vor Kurzem hatte ich das Formblatt einer Institution in Händen, wo unter „Rechte und Pflichten von Haupt- und Ehrenamtlichen“ zu lesen war: „Die bezahlten Mitarbeiter/innen haben das Recht, Ehrenamtlichen Anweisungen zu geben, wie die Arbeit getan werden soll.“ Der Begriff „Anweisungen“ ist m. E. dort, wo Menschen freiwillig und ohne vertragliche Bindung ihre Zeit in eine ehrenamtliche Tätigkeit einbringen, abschreckend. Günstiger wäre sicher eine Formulierung wie „Hauptamtliche MitarbeiterInnen führen die Ehrenamtlichen in ihre Aufgaben ein“. Selbstverständlich sind dort, wo Menschen betreut werden, schriftliche Vereinbarungen angebracht, die die zeitlich ausgehandelten Einsätze, den Arbeitsumfang, die Arbeitsbeschreibung sowie Schweigepflicht und Datenschutz enthalten. Bei der Formulierung dieser Vereinbarungen sollten ausgewogen die Verpflichtungen von Freiwilligen und Trägern beschrieben sein. Engagierte sind insbesondere im Bereich sozialer Betreuung im allgemeinen durchaus bereit, sich in angemessener Weise zu verpflichten und schriftlich vereinbarte Absprachen zu unterschreiben – im Sinne einer verlässlichen Betreuung und auch der eigenen Entlastung. Im Zusammenhang mit schriftlichen Vereinbarungen ist es wichtig, der Gefahr einer Überregulierung zu widerstehen. Generell sollte die Devise lauten: So viel institutionelle Regelung in der Freiwilligenarbeit wie unbedingt nötig, so viel Handlungsfreiheit und Spielraum wie möglich. Neben der Schaffung von Strukturen geht es vor allem um eine wertschätzende Haltung der Hauptamtlichen gegenüber den Ehrenamtlichen und umgekehrt auch der Ehrenamtlichen gegenüber den Hauptamtlichen und deren z.T. sehr schwierigen Arbeitsbedingungen. Denn es ist nicht zu leugnen, dass Missverständnisse und Konflikte zuweilen gerade von Seiten der Ehrenamtlichen ausgelöst werden. Um so wichtiger sind gemeinsame Reflexionen und Aussprachen, in denen eine konstruktive Streitkultur entstehen kann. Vor der Übertragung ehrenamtlicher Aufgaben an Freiwillige stehen Träger zunächst der Klärung einiger Voraussetzungen gegenüber: Bereitstellung von Arbeitsmaterialien, Erstattung der Auslagen, Angebot von Fortbildungen und unterschiedliche Anerkennungsformen für Ehrenamtliche kosten Geld, und darum sind für die Freiwilligenarbeit entsprechende finanzielle Ressourcen einzuplanen. Für die Hauptamtlichen erweitert sich durch die Kooperation mit Ehrenamtlichen das eigene Aufgabengebiet, sodass auch überlegt werden muss, wie das Arbeitsvolumen, die Veränderung von Arbeitsinhalten und Verantwortlichkeiten personell geregelt werden. In manchen Bereichen sind Überschneidungen von haupt- und ehrenamtlicher Arbeit besonders brisant. Deshalb ist im Vorfeld zu prüfen, welche Arbeiten Ehrenamtlichen übertragen werden können und wo die Grenzen zur Hauptamtlichkeit weiter bestehen sollen. Für eine Abgrenzung der Aufgabengebiete gilt m. E. auch weiterhin die „goldene Regel“: Ehrenamtliche Arbeit dient der Ergänzung hauptamtlicher Arbeit und bereichert die Angebotspalette einer Institution. Ehrenamts-freundliche Einrichtungen sorgen für Anerkennungs- und Wohlfühlstrukturen, kooperieren mit ihren Engagierten partnerschaftlich, bieten ihnen Raum zur Entfaltung von Eigeninitiative sowie Möglichkeiten der Mitsprache und Mitgestaltung und profitieren so von dem engagierten Einsatz ihrer motivierten Freiwilligen - eine „Win-Win“-Situation für Haupt- und Ehrenamtliche - Neben der umfassenden Freiwilligenarbeit in festen Strukturen von Einrichtungen findet ein Großteil des bürgerschaftlichen Engagements auch in freien Initiativen statt. Beispielhaft sind hier zu nennen: Die Bürgerinitiativen, Naturschutz- und Umweltgruppen, Nachbarschaftshilfen, Selbsthilfegruppen, Senioren-Genossenschaften, Tauschbörsen, Internetcafés sowie viele lokale Bündnisse und Stadtteilprojekte. Alle diese Gruppen nutzen häufig nur die Räume von bestimmten Institutionen, von denen sie ansonsten unabhängig sind. Befragt nach den Vorteilen ihrer Träger-unabhängigen Arbeit ist von ihnen zu hören, dass sie keine Interessen eines Verbandes vertreten müssen, die z.T. schwierige Zusammenarbeit mit Hauptamtlichen für sie entfällt und dass sie keine Vorschriften und Hierarchien zu berücksichtigen brauchen. Damit können sie ungehindert und unmittelbar ihre Anliegen verfolgen. Die Nachteile bestehen darin, dass sie keinen Rückhalt von bestehenden Organisationen haben. Dies ist besonders in der Öffentlichkeitsarbeit, bei Antragstellungen und der Finanzierung von Projekten zu spüren. Die bürokratischen Hürden innerhalb von Kommunen bei Politik und Verwaltung sind von diesen freien Initiativen oft schwerer zu überwinden als von etablierten Trägern mit entsprechender Bekanntheit, längerer Tradition und damit größeren Einflussmöglichkeiten. Dieser Sachverhalt verweist auf das grundsätzliche Dilemma, dass wir noch weit entfernt sind von einer Bürgergesellschaft mit sehr unterschiedlichen Facetten der Mitsprache und Beteiligung. Es ist ein Gebot der Stunde, im Sinne der Stärkung einer Zivil- oder Bürgergesellschaft die Förderung und Anerkennung des freiwilligen Engagements auf allen Ebenen umzusetzen und zu einem gesamtgesellschaftlichen Anliegen zu machen. U. a. ist es längst überfällig, das Thema „Gewinnung und Integration von Freiwilligen“ in den Fachhochschulen für Sozialarbeit sowie den Ausbildungsstätten von PflegerInnen und ErzieherInnen in den Unterrichtsstoff aufzunehmen. Es reicht auch nicht aus, öffentliche Dankeschönfeiern für Engagierte mit entsprechenden Ehrungen durch politische Repräsentanten unter Medienpräsenz durchzuführen. Bürgerschaftliches Engagement kann sich – insbesondere auf kommunaler Ebene – nur entfalten, wenn es von allen Akteuren der Politik, Verwaltung, Wirtschaft und dem gemeinnützigen Bereich erwünscht und gefördert wird. Zugangsschwellen abbauen, engagementfördernde Rahmenbedingungen schaffen und die Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, sind sicherlich Aufgaben, die es auf vielen Ebenen in der nächsten Zeit noch zu meistern gilt. Danke für Ihre Aufmerksamkeit. |
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